Dagmar Shorny
Yoga: Praxis – Therapie – Philosophie

Atem und Pranayama im Yoga
4-teiliger Lehrgang für YogalehereInnen und Yogaübende

Termine: 10.–12.5.2019, 18.–20.10.2019, 17.–19.1.2020, 27.–29.3.2020

Kaum eine Kultur hat sich so eingehend mit dem Atem beschäftigt wie die indische. Und doch liegt auch in unserer eigenen noch eine Spur zur Bedeutsamkeit des Atems in Worten wie Lebenshauch oder Lebensodem. Wer kann sich noch erinnern, dass eine Bedeutung des griechischen Wortes Psyche, Atem ist. Das Atmen als Weg zur Psyche, als Verbindung von Körper, Seele und Denken ist uns abhanden gekommen, wird aber gerade eben wiederentdeckt.

Selbst der Körper baut seine Ausrichtung und seinen inneren Halt rund um den Atem auf. Der Weg dahin liegt nicht in der Kontrolle der Atmung, wie man es missverstehen könnte, sondern darin, sie kennen zu lernen, mit ihr im Dialog und im Spiel zu sein. Die Folge ist eine bewusste Wachheit, die mental und seelisch stabilisiert und erfreut.

So werden die Anwendung von Pranayama Techniken, die Verlängerung von Atemphasen und das Spiel zwischen Atem und Bewegung zu einer Entdeckungsreise mit dem Gespür der eigenen Energie, die sich entspannt, auflädt, beruhigt, fließt, pulsiert je nachdem welche Spielart wir betonen. 

Ziel dieses Lehrgangs ist es, die Vielfalt an Pranayama-Techniken anhand einer Auswahl der traditionellen Schriften zu studieren, schrittweise am eigenen Leib zu erfahren und die Erkenntnisse methodisch an SchülerInnen weitergeben zu können. 

Auch wichtige Hinweise zur Didaktik und zur individuellen Anpassung von Atemübungen werden ihren Platz haben. Die Quelle für meinen Unterricht ist dabei der Yoga nach T.K.V. Desikachar, wie ich ihn von Sriram über viele Jahre gelernt habe. Darüber hinausgehend werden wir in verschiedenen Quelltexten der vielfältigen Beschreibung des Atems als Prana oder Vayu begegnen.

Voraussetzungen:

Da die Atempraxis subtil ist und in ihrem Aufbau nichts übersprungen werden sollte, ist es wünschenswert, dass man an allen vier Wochenenden teilnimmt. Aus diesem Grund sind die Wochenenden relativ weit auseinander, sodass man sie gut einplanen kann. Außerdem werden von Wochenende zu Wochenende Anregungen zur Selbstpraxis mitgegeben, die man über diesen Zeitraum üben kann, sodass die Erfahrung des jeweils nächsten Schritts gut etabliert wird.

Wenn Vorkenntnisse zu dieser Yogatradition vorhanden sind, können auch Wochenenden übersprungen werden.

Temine:

Teil 1: Die Grundlagen, Termin: 10.–12.5.2019

Im ersten Schritt geht es darum zu erkunden, wie wir die Atmung spüren, welche inneren Bilder wir dazu haben und wie wir in sanfter Art und Weise beginnen, ihren Strom bewusst zu beeinflussen, indem wir ihre Räume erspüren, experimentieren, welche Atemweisen und welche Bewegungen die Atmung verlängern oder vertiefen. Wir werden Gelegenheit haben, in der je eigenen Atmung anzukommen.

Dazu gehört auch, kennenzulernen, wie T. Krishnamacharya und Desikachar, das Atmen mit der fließenden Bewegung der Wirbelsäule zu verbinden suchten, und so fließende Vinyasas sanft und atembetont geübt werden.

Die Verbindung von Intention-Atem-Bewegung bildet die Grundlage des ersten Seminars.

Einfache Pranayama-Techniken begleiten auch dieses Wochenende. Ein Blick ins Yogasutra erhellt unser Verständnis von Pranayama.

Teil 2: Pranayama Techniken, 18.–20.10.2019

Aufbauend auf die Grundlagen erweitern wir die Atempraxis.

Ob Nase oder Mund, Gaumen oder Kehle, Bauch oder Brust, Ton oder Stille- Yoga kennt interessante Formen des Atmens und wendet sie an.

Erste Quelle ist uns hier die Hatha Yoga Pradipika, die Pranayama Techniken aufzählt und beschreibt und uns eine weitere Sicht auf Prana im Sinne des Hatha Yoga vermittelt.

Wir lernen Pranayama Techniken kennen, sprechen über die Möglichkeiten, sie abzuwandeln und anzupassen. Auch die Wirkungen, dieser Techniken bei regelmäßiger Praxis haben, werden ausführlich besprochen.

Ebenso gehen wir auf Fragen der Pranayama- Didaktik ein, auf Möglichkeiten der individuellen Anpassung.

Teil 3: Die Atemphasen, 17.–19.1.2020

Das Üben mit den Atemphasen, engl. „ratios“ ist wohl der Teil der Pranayama-Praxis, dem manche mit Vorbehalten begegnen. So ist das bewusste und wahlweise Verlängern der Ausatmung, Einatmung, der Atemleere und der Atemfülle sicherlich eine fortgeschrittene Praxis, mit der besonders achtsam umgegangen werden muss.

Denn jeder Zwang stört nicht nur die positive Wirkung der Atmung, sondern macht Stress im vegetativen System.

Wir lernen Techniken und Übungsanleitungen, die es erlauben, jedem Teilnehmer/jeder Teilnehmerin, den Freiraum zu lassen, sein/ihr eigenes Maß zu finden. Denn besonders in der Betonung der Ratios wird die unterschiedliche Wirkung der Pranayama-Praxis spürbar und es wäre schade, aus Vorsicht darauf zu verzichten.

Auch Bandha und Mudra als besonders intensiver Ausdruck der Betonung von Ausatmung und Atemleere wollen wir uns an diesem Wochenende anschauen.

Teil 4: Die Wirkungen, 27.–29.3.2020

Die Wirkung von Pranayama entsteht im Zusammenspiel der Wahl der Technik und der Atemlänge in der jeweiligen Atemphase. Das hört sich sehr technisch an, wird aber klar, wenn man beginnt, an sich auszuprobieren. Was ist der Unterschied langsam auszuatmen und dabei die Nase halb zu verschließen oder langsam auszuatmen und die Aufmerksamkeit auf der Kehle zu halten, oder dabei zu summen?

Die Variationsmöglichkeiten sind vielfältig, und je klarer man versteht, wie sie kombinierbar sind, desto kreativer und wirkungsvoller lässt sich damit arbeiten.

Und nicht zuletzt: Worauf auch immer wir die Aufmerksamkeit legen im Pranayama, es wird die Wirkung der Praxis maßgeblich beeinflussen.

Info und Anmeldung: dagmar(at)shorny.at

oder: Berufsverband der Yogalehrenden Österreichs: office(at)yoga.at

Kosten:  4-teiliger Lehrgang 750,- für BYO-Mitglieder, 4-teiliger Lehrgang 840,- für Nicht-Mitglieder (60 UE à 45 Minuten)
siehe auch:
https://www.yoga.at/seminare-weiterbildungen.html